Immer sollte in uns die Stille sein,
die nach der Ewigkeit hin offen steht
und horcht.


--- Romano Guardini

 




Liebe Lebenskünstlerin, lieber Lebenskünstler,

 

da haben wir nun den wärmsten Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und pünktlich zum Frühlingsanfang fällt Schnee... Ironie des Lebens ;-)

 

Aber der Frühling lässt sich nicht aufhalten. Vielleicht hast du in den letzten Tagen oder Wochen morgens die Vögel zwitschern gehört? Um diese Jahreszeit stimmen die Piepmätze ein gigantisches Konzert an. Jaja, manch einer knallt genervt das Fenster zu, wenn ihn der morgendliche Amselgesang aus dem Schlaf reißt... Untersuchungen zeigen: die Vögel werden immer lauter, denn sie müssen sich gegen den Lärmpegel behaupten, den wir Menschen verursachen.

 

Unser morgendlicher Jogging-Pfad verläuft stellenweise nur wenige Hundert Meter entlang der Salzburger Autobahn. Was für ein Getöse! Menschen in ihren Blechdosen auf dem Weg zur Arbeit, voll beladene LkW, Kleintransporter und was das Zeug hält. Wir sehen sie nicht. Aber wir können sie hören.

 

 
Frühlingsanfang, 21.3.2007

Jacqueline meinte neulich: was würde ich darum geben, jetzt einfach mal nur die Vogelstimmen zu hören, ganz ohne diese Nebengeräusche! Und dann fiel ihr ein: Vogelstimmen kann man ja auf Entspannungs-CDs kaufen. Man kann auch am PC die Störgeräusche einfach wegfiltern. So wie man es mit den digitalen Fotos macht... Aber: ist das eine Lösung?

Wenn wir die Augen schließen, sehen wir nicht mehr, was sich vor uns befindet. Aber unsere Ohren können wir nicht wirklich verschließen. Wir hören alles, auch nachts, auch wenn es nicht bis an die Grenze unseres Verstandes durch dringt. Wir registrieren vielleicht manches nicht, weil wir unaufmerksam sind. Andersherum können wir auch Geräusche aus unserem Bewusstsein ausblenden, wenn wir uns konzentrieren. Wir können uns Stöpsel in die Ohren stecken oder Lärm von aussen mit Musik oder Hörbüchern übertönen. Aber das "ultimative" Hör-Erlebnis ist die Stille. Vielleicht fragst du jetzt: wie soll man bei all diesem Lärm die Stille finden?

Eckhart Tolle formuliert es so:

Geräuschlosigkeit ist hilfreich, aber du brauchst sie nicht, um zur Stille zu finden.
Sogar wenn da Geräusche sind, kannst du die Stille wahrnehmen, die hinter diesem Geräusch ist., der Raum, von dem diese Geräusche kommen. Das ist der innere Raum von reiner Wahrnehmung, das Bewusstsein selbst.
Du kannst dieses Bewusstsein wahrnehmen als der Hintergrund für alle deine Sinneswahrnehmungen, deiner Gedanken. Sich seines Bewusstseins gewahr zu werden, bedeutet das Entstehen innerer Stille.

  • Wann hast du zuletzt bewusst gelauscht?
  • Was hörst du jetzt gerade?
  • Wie klingt deine Wohnung während des Tages?
  • Wie klingt sie in der Nacht?
  • Welches Geräusch macht deine Haustür?
  • Wie klingt der Schlüsselbund, mit dem du sie öffnest?
  • Welchen Klang hat deine Straße, deine Stadt?
  • Welche Geräusche sind dir vertraut? Welche beunruhigen dich? Welche nerven dich?
  • Welche Geräusche oder Klänge bringen dich zum Schwärmen?

Hör genau hin und werde dir bewusst, was du hörst...
Hör genau hin und werde dir bewusst, dass du hörst...

Und wenn du magst, dann beantworte die Frage von Meister Hakuin:
Wenn zwei Hände klatschen, entsteht ein Ton.
Nun sage mir: was ist der Ton der einen Hand?

Wir wünschen Dir ein klangvolles Wochenende


Jacqueline & Thomas

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Hören oder Lesen

Eckhart Tolle: Finde die Stille in dir
Vortrag auf 6 CDs
Worte sind nur Wellenbewegungen, sie weisen auf etwas,
das jenseits der Worte liegt, im Inneren.

Joachim-Ernst Berendt: Nada-Brahma. Die Welt ist Klang
Bewußtseinsveränderung durch Hören. Das Buch ist bereits Anfang der 80er Jahre erschienen, die Inhalte gibt es auch als Audio-CD-Reihe mit interessanten Hör-Beispielen. Auch wenn viele Berendt-Fans die Wandlung des Jazz-Gurus zum "Esoteriker" nicht verstanden haben, das Buch ist aktueller denn je zuvor und erscheint im September in einer Neuauflage.

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Was wir brauchen...


Brauchen wir mehr Wissen? Brauchen wir mehr Information, um die Welt zu retten? Oder schnellere Computer, mehr wissenschaftliche oder intellektuelle Analysen? Brauchen wir nicht am nötigsten Weisheit in dieser Zeit?

aus: Eckhart Tolle, Stillness speaks


Wir freuen uns und sind dankbar,
dass Du diesen Newsletter bis hierher gelesen hast!

Jacqueline & Thomas

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Der Lebenskunst-Newsletter ist die Fortführung des betrachtenswert-Newsletters
ISSN 1617-7282

 

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und erscheint 8-10 x im Jahr mit kurzen Zitaten,

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