Der Wert der Dinge

 

Lange bevor die Hurricanes die Öl- und Gaspreise herum wirbelten, beschäftigte sich Thomas Hegenauer mit dem Wert der Dinge. In seinem Lebenswert-Newsletter dachte er über die Holzpreise nach...

Ja, Winter wirds, also bestellte ich im Sommer Holz beim oertlichen Bauern.
Er lieferte Ende September.

Ich bin ueberrascht, wie preiswert Holz ist.
So kam ich mit dem Bauern ins Gespraech und er erzaehlte mir,
dass mein Holz gar nicht aus den oertlichen Waeldern stammt,
sondern ca. 100km entfernt gewachsen ist.

Ich rekapituliere:
In einem 100km entfernten Wald wachsen Baeume.
Das dauert ein paar Jahre. Waerend dieser Zeit muss der
Waldbesitzer immer mal wieder nach dem Rechten schauen,
Schaeden beheben, pflanzen, Zaeune spannen und was weiss ich noch alles.
Was halt so anfaellt, wenn man Waldmeister ist.
Eins ist klar: Wenig Arbeit ist das sicher nicht.

Also verbringen diese Leute viele Stunden und Tage im Wald - jahrelang.
Dann ist es soweit, mein Baum ist reif und wird geerntet.
Um das effizient durchfuehren zu koennen, brauchts wohl eine sauteure Maschine.

Anschliessend wird das Holz wohl etwas lagern muessen.
Ein Jahr?

Dann wirds 100km transportiert.
Braucht einen Laster.

Dann kann mans mal klein machen, denn ganze Staemme passen bei mir
nicht in den Ofen.
Ist Handarbeit. Anschliessend trocken lagern, zwei Jahre?

Dann packts mein Bauer auf einen Anhaenger, und kippts mir vor die Tuere.

Ich rekapituliere:
Jahrelang(!) ist mein Baum gewachsen, wurde gepflegt.
Anschliessend braucht man teure Maschinen und viel Personal
und noch einmal viel Zeit und Lagerplatz, bis aus einem Baum
Brennholz wird.

Und dann ist mein Holz inkl. Anfahrt billig?

Wie kann etwas Wertvolles billig sein?

Wer bezahlt all die Sunden an schweisstreibender Arbeit im
Wald, mit der Saege, beim Verladen, den Transport?

Und: Gibts das auch andersrum?
Etwas Wertloses teuer?

Was wohl ein handschriftlich signierter Fussball von Franz
Beckenbauer kostet?
Oder was es kostet, Guenter Jauch zu Silvester einzuladen?
Und liebe Naivchen: Damit meine ich nicht die Kosten von
dem, was der einem wegfrisst, sondern seine Gage.

Die Welt ist doch seltsam:

Es gibt Dinge, da stecken stundenlang harte Arbeit drin (die
keiner machen will), und Koennen (das wenige haben) - und
wenn das Produkt erschaffen ist, wird es dir zum Spottpreis
nachgeworfen.

So manches ist ziemlich verschoben bei uns.

Wenn ich das dann so sehe, dann merke ich, dass es nicht die
Welt ist, die verschoben ist, sondern ich selbst bin es (was
ja, liebe Esoterikfreunde, das selbe ist).

Also biege ich es wieder gerade.
Bezahle fuer echte Arbeit einen anstaendigen Preis und lasse
Wertloses aussen vor.

Quelle: Lebenswert-Newsletter


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